1. Juli 2022: NIPT-Test wird zur Kassenleistung

Ab dem 1. Juli 2022 wird der vorgeburtliche Test auf Trisomie NIPT von den Krankenkassen übernommen. Eigentlich nur für Risikoschwangere – aber Ärzte gehen davon aus, dass künftig 90 Prozent aller werdenden Mütter den Test in Anspruch nehmen werden.

Behindertenverbände, Kirchen und Ärzte haben schon seit langem Kritik an NIPT als Kassenleistung geübt: Es stehe zu befürchten, dass die Untersuchung so häufig angewandt wird, dass dies faktisch einer Reihenuntersuchung gleichkomme. Zudem würde eine systematische Suche nach Ungeborenen mit Behinderung in vielen Fällen eine Abtreibung nach sich ziehen.

Natalie Dedreux, Aktivistin mit Down-Syndrom, hatte bereits 2017 im Rahmen einer TV-Wahlkampfarena die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dieses Thema angesprochen und für großes Aufsehen gesorgt: „Neun von zehn Babys mit Downsyndrom werden in Deutschland nicht geboren, sie werden abgetrieben. (…) Wie stehen Sie zum Thema Spätabbruch?“

Dabei hat Natalie Dedreux in einer von ihr initiierten Petition starke Argumente gebracht:
„Ich will nicht, dass die Krankenkasse das Ganze bezahlt. Wenn die schwangeren Frauen sehen, ob das Ungeborene Down-Syndrom hat, dann werden sie sich gegen uns erst mal entscheiden.

Ich glaube, die wollen uns nicht haben, weil die Angst haben. Ich verstehe nicht, warum Angst da ist. Ich finde das schlimm, weil es sonst weniger Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt gibt. Also ich finde es wichtig, dass es Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt gibt.

Ihr sollt nicht mehr so viel Angst vor uns haben. Es ist doch cool auf der Welt zu sein mit Down-Syndrom.

Und ich will sagen, dass alle die gleichen Rechte haben. Das steht im Grundgesetz. Die Politiker sollen sich entscheiden. Ich will, dass die Politiker Gesetze machen. Da soll stehen, dass die Krankenkasse den Bluttest nicht bezahlt.“

Weiterlesen auf Natalies Website:

MUT UND ÜBER MEIN LEBEN – nataliededreuxs Webseite!